BRUNNENSTOLLEN

Wir bieten Ihnen ab dem 14. April 2018 wieder Führungen an nach Voranmeldung

Infos unter 0 63 31 / 4 93 71

Die Wasserversorgung der Burg Lemberg

Die mittelalterlichen Burgen dienten in erster Linie der Verteidigung. Sie wurden deshalb mit Vorliebe in strategisch günstiger Position auf Felsen, Bergspornen oder Kuppen in der Landschaft errichtet.
Das Problem dabei war immer die Wasserversorgung.
 
Zisternen, große gemauerte Becken, innen sorgfältig mit wasserfestem Mörtel verputzt und außen mit Stampflehm abgedichtet, dienten auch auf der Burg Lemberg wesentlich zur Wasserversorgung.
Bei einer länger dauernden Belagerung jedoch dürften Regenwasserzisternen alleine nicht ausgereicht haben.
Auf der Burg Lemberg hat der Burgherr deshalb zu einem bislang noch unbekannten Zeitpunkt (geschätzt wird die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts) damit begonnen, einen Brunnen zu graben.
 
Etwa drei Jahre nach Beginn der Ausschachtungen, so schätzen die Experten, waren die Arbeiter in einer Tiefe von 94,8 Metern angekommen und hatten damit einen der tiefsten Schächte auf den Burgen der Region gegraben. Quellwasser fanden sie in dieser Tiefe aber immer noch nicht.
In der Karstaler Felszone - so nennen die Geologen die Schicht - wäre das wohl auch einem Wunder gleich gekommen. Der Burgherr muss damals etwas geahnt haben. Denn vermutlich schon bevor die Sohle erreicht wurde, ließ er von der Quelle am Burghang einen Stollen in Richtung Schacht graben.
 Der Brunnenschacht erschließt Schichten der Buntsandsteinzeit ("Hauptkonlomerat", "Obere Felszone", Obere Karstal-Schichten und Karstale-Felszone). Das Material dieser Gesteine wurde als Ausgrabungsschutt umliegender Gebirge von Flüssen herantransportiert, untergeordnet auch vom Wind verfrachtet. Der Buntsandstein besteht in der Pfalz aus mehr als 500 mächtigen Ablagerungen. Sie sind im allgemeinen gut standfest (keine Abstützung in Schacht und Brunnen notwendig!) und bilden als Speichergesteine die wichtigste Grundlage für die heutige Trinkwasserversorgung in unserem Raum.
  
131 Meter lang verläuft dieser auf drei Viertel seiner Ausdehnung mehr oder weniger geradlinig in südöstliche Richtung. Er macht dann einen Knick um 25 Grad, um dann mit einigen kleineren Richtungskorrekturen die Schachtzisterne zu treffen. Offentsichtlich förderte der Brunnenschacht von Anfang an kein "eigenes " Wasser. Von der Quelle und einem weiteren Sickerwassersystem, das von einem Seitenstollen erfasst wurde, wo es aus Felsspalten austritt, staute sich das Wasser zurück und füllte den Schacht wie eine Zisterne (Wassersammelbehälter). Gleichzeitig konnte wahrscheinlich durch Öffnen eines Überlaufes auch das Dorf teilweise mit Wasser versorgt werden. Heute noch wird ein Laufbrunnen in Lemberg über eine Leitung mit diesem Wasser gespeist. (Wasserspende je nach Jahreszeit pro Tag ca. 2000 - 4000 l)
 
Das Graben war harte Arbeit. Immerhin hat die Schachtzisterne einen Durchmesser von 1,93 bis 2,68 m, der Stollen ist auf wieter Länge etwa 2,5 m hoch und im Durchsachnitt etwa einen zhalben Meter breit. Schwarzpulver zum Sprengen der Felsen, soviel konnten die Wissenschaftler nachweisen, wurde nicht benutzt. Schacht und Stollen wurden allein mit Hammer und Meißel vorangetrieben.
Mühsam war auch die Ausgrabung der Schachtzisterne. Diese war nämlich seit der vollständigen Zerstörung der Burg 1689 bis oben hin mit Müll vollgeschüttet worden. Es war zumindest im unteren Bereich Müll, der einigen Aufschluss über Hausrat, Bewaffnung und Technik auf der Burg zur Zeit der Zerstörung lieferte.
Die Schachtverfüllung bestand aus Bauschutt mit wechselnden Anteilen von Mauersteinen und deren Bruchstücken, Gewändesteinen von Türen und Fenstern, Mörtel- und Putzschutt sowie unbearbeiteten rötlichen Sandsteinstücken und Sand. Ab einer Tiefe von 72 m wurden auch Holzkohle, Knochen, grün glasierte Ofenkacheln und Holzbalken gefunden.
An Eisenteilen wurden z. B. Bombarden, Musketenrohre, Radreifenteile und Beschläge von Türen ausgegtaben.
Die Lage des Brunnenschachtes der Burg und des Stollens waren seit langem bekannt, der Stollen war bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg sogar noch einige Zehnermeter begehbar. 1987 wurde der mittlerweile verstürzte Stolleneingang in Eigeninitiative der Ortsgemeinde Lemberg freigelegt.
Die Ausgrabungsarbeiten am Brunnenschacht und die Herstellung der durchgängigen Begehbarkeit des Stollens begannen im Oktober 1993 und endeten im Mai 1995. Im Rahmen der von der Gemeinde getragenen Maßnahme waren im Durchschnitt drei Personen mit den schwierigen Arbeiten betraut. Die Ausgrabungen wurden vom Landesamt für Denkmalpflege und dem Geologischen Landesamt durch fachwissentschaftliche Beratung begleitet.
Auch hat der Lemberger Bürger Willi Hartmann die Ausgrabungen mit seiner Kamera tagtäglich begleitet und festgehalten sowie bei Abschluß der Arbeiten einen ca. 75 Minuten langen Viedeofilm mit Vertonung zusammengeschnitten. Dieser Film ist auch käuflich für 8 € zu erwerben. Das Entgelt kommt dem Denkmalverein zugute.
Mittlerweile bietet die Gemeinde nach Voranmeldung Führungen in dem Stollen an.
Infos erhalten Sie unter 0 63 31 / 4 93 71